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Auktionen Münzhandlung Sonntag
Auction 27  27-28 Nov 2017
Presale bidding closes in 6 days 5 hr 2 min

Lot 460
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Estimate: 20000 EUR
Minimum bid: 18000 EUR

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Römisch-Deutsches Reich

Haus Habsburg. Karl VI. 1711-1740. Großes vergoldetes Bronzemedaillon 1716 ohne Signatur, anlässlich der Gratulation der Vorderöster- reichischen Stände zur Geburt des kaiserlichen Thronfolgers am 13. April 1716.
Avers: CAES[ar]. AVG[ustus]. CAR[olus]. VI. GENTIS HABSBVR[gensis]. DECVS ET COLVMLN [COLUMEN]. = Erhabener Kaiser Karl VI., Schmuck und Zierde des Habsburger Geschlechts.
Vor einer Säule und einem Vorhang steht nach rechts gewandt Kaiser Karl VI., umgeben von den Attributen seiner Macht. Mit einem Feldherrnstab in der Hand, stemmt er die rechte Faust in seine Taille. Die linke Hand ruht auf einem Helm mit dem Habsburger Löwen als Helmzier. Auf einem Tisch drapiert sind die böhmische Wenzelskrone, die erzherzogliche Krone, die österreichische Hauskrone und schließlich der Reichsapfel. Darunter, um ein Schild mit dem Habsburger Löwen, bilden zehn Wappen vorderösterreichischer Städte und Stände einen Kreis (zum Teil als mehrfeldiges Wappen), die Städte Freiburg i.B., Breisach, Neuenburg am Rhein und Waldshut, der Prälatenstand, der Ritterstand und die Städte Bregenz, Ehingen, Radolfzell, Munderkingen, Rottenburg, Feldkirch sowie Bludenz. Auf der rechten Bildseite sind erbeutete türkische Roßschweife aufgestellt. Der Kaiser selbst steckt in einem ziselierten Prunkpanzer, der bis zu den Knien reicht. Zum Schutz der Hüften hängen am Gürtel beidseits schuppenartige, verzierte Panzerplatten. Ein Umhang, dekorativ gefaltet, fällt von der rechten Schulter und bläht sich in hohem Relief im Rücken des Kaisers. Auf der Brust hängt das Kleinod des Ordens vom Goldenen Vlies. Schließlich vervollständigt ein Lorbeerkranz auf dem Haupt das perfekte Herrscherbild. Revers: AETERNITATIS AVGVSTA. = Ewiger Fortbestand des Kaisertums.


Auf einer Weltkugel mit Flussläufen und Landschaftsnamen (Habspurg, Schweb Öster, Bresgav und Vorlsbrg) sitzt die Schicksalsgöttin Tyche. Sie hebt den kleinen Erzherzog auf den Rücken des böhmischen Löwen, der mit dem ungarischen Patriarchalkreuz in der Vorderpranke sich duldsam zum kaiserlichen Kind hinwendet. Im Abschnitt in fünf Zeilen: GAVDII ROMANOR[um]. DE AVG[ustali]. NATAL[i]. LEOP[oldi]. A[rchiducis]. AV[striae]. PR[incipis]. A[sturiae]. / PRAECIPVAM SIBI SVMVNT PARTEM. / GRATVLABVNDAE PROVINCIAE. / DITIONIS PRISCAE HABS[burgicae]. AVS[triae]. ANT[erioris] / M.DCC.XVI. = Die Bevölkerung im Römisch-Deutschen-Reich, zusammen mit den Provinzen der habsburgischen Herrschaft Breisgau in Vorderösterreich, gratulieren und freuen sich 1716 ganz besonders über die kaiserliche Geburt von Leopold, Erzherzog von Österreich, Prinz von Asturien.

Literatur:

1717 Thesaurus Numismatum, S. 970
1732 Appendix van Loon, S. 259ff. "the largest medal I have ever seen"
1846 Berstett, Baden, S. 203, Nr. 654
1896 Domanig, Erzhaus, S. 22, Nr. 266 sowie Tf. 38
1930 Günzburger, S. 151, Nr. 307-308 sowie Tf. 14 und 15
1969 Jungwirth, Bd. 29, S. 79ff
1971 Rath, S. 248, Nr. 176
1996 Rommel, S. 56f
1999 Klein, Vorderösterreich, S. 364f
2009 Winter, S. 83, Nr. 75 sowie Tf. 21
2017 Zeitz, Manuskript "Badische Medaillen. Schaumünzen dokumentieren 300 Jahre
oberrheinische Geschichte bis 1807", Nr. 494
oqqqqqExemplar der Sammlung der Markgrafen und Großherzöge von Baden, Sotheby's, Katalog IV, Nr. 2563, 10. Oktober 1995 im Neuen Schloss von Baden-Baden:
Vergoldeter, kunstvoll ziselierter Bronzeguss nach dem später eingeschmolzenen Original in Gold. Durchmesser des Bronzegusses 219 mm, Randdicke 15,2 mm, Gewicht 4609 g
vorzügliches Kabinettstück von höchster numismatischer Bedeutung und musealem Rang
Das Medaillon ist ein einzigartiges numismatisches Kunstwerk. Seine Bedeutung erhält es einerseits durch die ungewöhnliche Größe und künstlerische Aufführung mit dem hohen, fast vollplastischen Relief, sowie durch die qualitätvolle Vergoldung und Ziselierung. Es macht betroffen, dass die Auftraggeber der Medaille hier noch die ersehnte Geburt eines männlichen Sprosses im Hause Habsburg feiern, ohne Vorahnung auf dessen baldigen Tod und den daraus folgenden, ganz Europa erschütternden Österreichischen Erbfolgekrieg. Am 13. Mai 1717 wurde die spätere Kaiserin Maria Theresia geboren und sicherte dank der von ihrem Vater verabschiedeten Pragmatischen Sanktion die Herrschaft der Habsburger.
Außer der vorliegenden Medaille sind elf weitere Exemplare nachweisbar. Mit Ausnahme eines schlechten Abgusses in Blei liegen alle Exemplare in öffentlichen Sammlungen, z.B. in Freiburg i.B., Gotha, Karlsruhe, Wien oder Zürich. Das hier beschriebene Medaillon stammt aus der Großherzoglichen Sammlung Baden, die im Oktober 1995 im Schloss von Baden-Baden versteigert wurde. Es ist das größte von den zwölf bekannten Stücken und neben dem Freiburger Guss das schwerste, außerdem das einzige vergoldete und kommt so dem ursprünglichen Goldexemplar am nächsten.
Erzherzog Leopold wurde am 13. April 1716 als erstes Kind Kaiser Karls VI. und seiner Gemahlin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel geboren. Der Österreich freundliche gesinnte Teil Europas jubelte über den männlichen Spross des Hauses Habsburg, der nach seinem Großvater benannt worden war. Die Vorderösterreichischen Stände vom Breisgau, von Arlberg und Schwaben hatten als besondere Huldigung diese kunstvolle, schwere Goldmedaille erdacht und in Auftrag gegeben. Die beiden Deputierten, dabei der Abt von St. Blasien, konnten sie jedoch nicht vor Dezember 1716 in Wien überreichen, als der kleine Leopold schon einen Monat verstorben war (4.11.1716). Die Kaiserin verfügte, dass das schwere Goldstück dem Waisenhaus von Wien zu Gute kommen sollte – nicht ohne dass vorher einige Exemplare in Bronze angefertigt werden sollten, zum immerwährenden Gedenken.
Bei dem eingeschmolzenen, ursprünglichen Stück von 1716 hatte es sich um die größte je hergestellte Medaille mit einem Gewicht von 3742 g in purem Gold gehandelt, was angeblich dem Gewicht des neugeborenen Thronfolgers entsprochen hatte. Der Medailleur ist bisher nicht bekannt. Durch die Ähnlichkeit von Buchstaben der Umschrift und der Art der Darstellung Karls VI. im Vergleich mit anderen Porträtarbeiten ist Benedikt Richter denkbar, damals Erster Hofmedailleur in Wien.
Die Beschreibung des Medaillons sowie dessen historische und kunstgeschichtliche Einordnung haben wir dem Manuskript von Dr. Joachim Zeitz entnommen. Sein Buch "Badische Medaillen. Schaumünzen dokumentieren 300 Jahre oberrheinische Geschichte bis 1807" wird Ende dieses / Anfang nächsten Jahres erscheinen.

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